Im März 2020 ging das Chaos los. Wegen der Corona-Pandemie waren Zusammenkünfte untersagt und somit natürlich auch Chorproben.
Ich musste/wollte mir also Alternativen überlegen, damit wir nach der Pandemie nicht quasi komplett von Vorne anfangen müssen.
Zum damaligen Zeitpunkt stand uns ja auch noch ein Konzert mit allen meinen Chören im November bevor.
Als Gesangslehrer wollte ich natürlich auch nicht, das die aufgebaute Muskulatur der Sänger*innen nachläßt.

Was blieb also groß? Im Grunde nur ein Online Angebot.
Meine Kenntnisse im IT-Bereich sind – Gott sei Dank – sehr ausgeprägt, so daß ich hier nicht so viele Hürden hatte.
Die Ernüchterung kam jedoch recht schnell. Online gemeinsam singen und ein Chorklang zu haben funktioniert nicht.
Auch das Seminar über Onlineproben, an dem ich teilgenommen hatte, hat hier nicht viel Neues ergeben.
Dafür gibt es einfach zu viele Verzögerungen der einzelnen Teilnehmer*innen. So erhält man schnell einen Kanon, der eigentlich keiner ist.
Hinzu kommt die Ungewissheit, ob das, was gesungen wird, auch wirklich dem entspricht, wie es vorgesungen/vorgespielt wurde, da ich ja selbst niemanden gehört habe, weil alle Mikrofone auf „stumm“ geschaltet sein mussten.

Ich hatte mich deshalb dazu entschlossen, zu den Probezeiten Onlineseminare zu verschiedenen stimmtechnischen Themen anzubieten.

Themen waren:

  • Kompensation beim Singen
  • Artikulation – Deutlich aber nicht übertrieben
  • Atmung – ein, aus, Pause
  • Phonation – Der Ton macht die Musik
  • Gesunderhaltung der Stimme, Hygiene, Prophylaxe

Ausgestattet mit eigenen Computer-Animationen, Hörbeispielen und Videoaufnahmen hatten die Sänger*innen so die Möglichkeit sich mit der eigenen Stimme auseinander zu setzen, mal stimmlich etwas auszuprobieren und den Kontakt zu den restlichen Sänger*innen nicht zu verlieren.

Kurz vor den Sommerferien war es dann endlich soweit. Unter Auflagen war eine reale Probe wieder möglich.
Ich erstellte also ein Hygienekonept, welches ich mir durch das Ordnungsamt absegnen ließ.
Darin wurde unter anderem geregelt, welchen Abstand die Sänger*innen einhalten müssen, wann/wie Masken zu tragen sind und wie die Teilnahmen erfasst und aufbewahrt werden.
Um das Konzept erstellen zu können fehlte jedoch ein geeigneter Probeort. Mein größter Chor umfasst 40 Sänger*innen.
Der ursprüngliche Ort war also tabu.
Diese Hürde haben wir jedoch auch genommen. Ein Chor kam in einem Garten (wir hatten Glück mit dem Wetter) unter, ein Chor ist in einen größeren Raum (mit Lüftungsanlage etc.) umgezogen und der dritte Chor hat sich in einer Lagerhalle zusammen gefunden.
Somit konnten endlich wieder Proben durchgeführt werden.

Nach jetzt mehreren Monaten Proben auf diese Art und Weise dachte ich mir, ich schreibe mal diesen Erfahrungsbericht.

Die Proben sind natürlich immer noch nicht, wie gewohnte Proben:

  • Dadurch das der Sicherheitsabstand eingehalten wird, hören die Sänger*innen sich in der eigenen Stimmgruppe kaum bis gar nicht
  • Je nach Probeort ist die Akustik sehr gewöhnungsbedürftig (Hall, ….)
  • Ich habe teilweise viel mehr Gepäck (Keyboard, Lautsprecherboxen, Mikrofon, Laptop, ….)
  • Ich habe zeitlich einen deutlichen Mehraufwand (Zusammenpacken/Aufbau der Technik, Stellen von Stühlen, Anfangs auch noch Auslegen von Sitznummern), welcher zur musikalischen Vorbereitungszeit dazu kommt

Die Pflege einer Anwesenheitsliste hatte ich auch vor Corona schon. Das war also kein Zusatzaufwand für mich.
Durch eine eigene App, die ich für diesen Zweck programmiert habe, geht das relativ flott.

Wir proben jetzt also so lange auf diese Art und Weise, wie es möglich/nötig ist, in der Hoffnung, das die Proben bald wieder wie gewohnt stattfinden können.
Das geplante Konzert hatte ich recht früh schon abgesagt, was vorausschauend gewesen zu sein scheint, da ja aktuell immer noch nicht wirklich was sinnvolles durchgeführt werden darf.

Ich bin jetzt jedoch erst mal dankbar für ein paar Tage ohne Proben um neue Kräfte zu sammeln.
Mal schauen wie lange wir durch diese Pandemie noch eingeschränkt sind.